Welt-Autismus-Tag 2009

Einige Tage nach dem 2. Welt-Autismus-Tag immer noch chaotische Verhältnisse im Berliner Senat, Hinhaltetaktik und keine guten Aussichten für autistische Kinder…

Schätzungen zufolge gibt es weltweit 35 Millionen Menschen mit Autismus. Sie kämpfen jeden Tag aufs Neue mit der ihnen so fremden Welt und werden häufig diskriminiert. Im November 2007 erklärte die UN den 2. April zum Tag, an dem „die Mitgliedsstaaten jährlich dazu ermutigt werden sollen, in ihren Ländern das Bewusstsein für autistische Kinder zu schärfen“. Dieser Tag soll weltweit für diese Entwicklungsstörung sensibilisieren, das Verständnis für diese rätselhafte neurologische Beeinträchtigung fördern.

Gerade bei frühkindlichen Autisten, so auch die Erfahrung des Elternvereins „Elternzentrum Berlin“, ist die Intelligenz mit normalen Maßstäben kaum zu messen. So landen nicht wenige in einer Beschulungsform, die ihren Möglichkeiten nicht gerecht wird. Genauso wie nicht autistische Kinder, können und wollen auch sie etwas leisten und strahlen vor Stolz über das Erreichte. Nur brauchen sie dafür ihre eigenen Rahmenbedingungen.

„Kein Mensch verlangt von einem gelähmten Kind, dass es von alleine ohne Rollstuhl durch die Welt läuft, aber zu viele verlangen von einem autistischen Kind, dass es sich ohne Hilfen und möglichst unauffällig mit den Bedingungen in unserer nicht autistischen Welt zurecht findet. Schafft es das nicht, wird ihm die Teilhabe verwehrt. Der Welt-Autismus-Tag hat also alle Aufmerksamkeit nötig.“ (aus dem ATZ Bonn)

Die Rahmenbedingungen für autistische Kinder im Berliner Raum werden immer schlechter. Das Elternzentrum fängt Familien auf und vermittelt über Jahre angesammelte Elternerfahrungen an andere Familien. Regelmäßig gibt es zu bestimmten Themen Eltern-Themen-Cafés, eine Jugendgruppe für junge Asperger ist gegründet worden, permanente Aktivität ist nötig, damit die so dringend nötige Schulassistenz für die Kinder weiter genehmigt und finanziert wird.

Texte werden international veröffentlicht wie z.B. der folgende (veröffentlicht durch Frau Scheele Knight):
Teil 1: Educating children with autism in Germany
Teil 2: Adulthood and More For People on The Spectrum in Germany

Die Umstrukturierung der Berliner Schulstruktur hält Eltern autistischer Kinder in Atem, hier sind bis heute keine Informationen oder Ideen transparent gemacht worden , geschweige dass in diesem Vorhaben auch Kinder mit Beeinträchtigungen, vor allem der autistischen, diskutiert oder gar bedacht werden.

Die UN Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, speziell Artikel 24, hat in Berlin noch keinen Einzug gehalten. Noch immer werden schwerer vom Autismus beeinträchtigten Kindern maximal 10-15 Wochenstunden Schulassistenz in der Integration zugestanden, welche eine wirkliche umfängliche Teilnahme am Klassenleben und eine optimale Förderung unmöglich machen. Hier wird immer noch nicht nach dem Bedarf begutachtet, gehandelt und unterstützt, so wie es die Konvention vorsieht.

Derzeit plant der Berliner Senat die Reduktion einiger Tätigkeitsbereiche von Schulhelfern, die lern- und kommunikationsunterstützenden Maßnahmen. Wir protestieren gegen jegliche Reduktion und fordern die Anerkennung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass sich die Wahrnehmung autistischer Kinder neurologisch stark von der neurotypischer Menschen unterscheidet, sodass die Kinder eine ganz andere Ansprache, Pädagogik und Didaktik benötigen, um überhaupt lernen zu können.
Schulhelfer agieren als Übersetzer zwischen einem autistischen Kind und dem Lehrpersonal. Nicht zuletzt kann der Schulhelfer in seiner Funktion als lern- und kommunikationsunterstützender Helfer zum Beispiel auch ein Weg aus der Sonderschule in die integrative Schule sein. Wobei hier die Kürzung der sonderpädagogischen Stützstunden ebenso kontraproduktiv ist wie die Reduktion pädagogischer Hilfestellungen in Tätigkeitsbeschreibungen!

Die Stadt macht es Eltern autistischer Kinder sehr schwer, den Tag ihrer Kinder, den Welt-Autismus-Tag, in einem gebührenden Rahmen zu begehen . Vielleicht im kommenden Jahr …. wenn dann nicht neue „Feuer zu löschen sind“!

 

Ein Gedanke zu „Welt-Autismus-Tag 2009

  1. Pingback: 2. April: Weltautismustag

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