Welt-Autismus-Tag 2010

Am 2. April ist der Weltautismustag.
Wo stehen wir im Jahr 2010?

Aufmerksamkeit auf Autismus zu richten, die öffentliche Wahrnehmung und das Wissen über das vielfältige Spektrum des Autismus zu erweitern, das sind die Ziele der Berufung eines Weltautismustages. Ganz zentrale Anliegen, wie etwa um mehr Verständnis und um mehr Teilhabe zu werben, sind allerdings Ziele aller Menschen mit Behinderungen, ihrer Angehörigen und Freunde.
Weil wir uns dessen bewusst sind, haben wir das Elternzentrum Berlin e.V. im Jahre 2008 gegründet. Unser zentrales Ziel ist es, die Lebenssituation von autistischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu verbessern. Auch die Interessen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit tiefgreifenden Entwicklungsstörungen jenseits des autistischen Spektrums sollen vom Elternzentrum Berlin e.V. mit vertreten werden.

So legen wir unser Augenmerk auf die Hilfe und Beratung von Angehörigen, Betreuern und Menschen mit einer Diagnose aus dem autistischen Spektrum. Unsere Aktivitäten gestalten sich in Form von Einzelgesprächen, Elterntreffen, fachbezogenen Veranstaltungen und Diskussionsrunden und haben das Ziel, wohnortnahe Therapiemöglichkeiten, Ausbildungsstätten und Betreuungsmöglichkeiten und andere weitere Angebote aufzuzeigen, rechtliche Unterstützung zu vermitteln, sowie aufgrund umfangreicher persönlicher Erfahrungen, auch auf vielen anderen Gebieten, zu helfen.

Unser Verein möchte zudem den Erfahrungsaustausch der Fachleute untereinander fördern, Fortbildungen, Vorträge und Trainings organisieren, die wissenschaftliche Forschung zum Autismus fördern und neue wissenschaftliche Erkenntnisse an betroffene Familien und die Öffentlichkeit weiterleiten.

Ein Berliner Schwerpunktthema und damit auch Thema für das Elternzentrum Berlin e.V. ist momentan die mangelhafte Beschulungssituation autistischer Kinder. Zum Thema der Schulbegleitung – Stichwort Schulhelfer – wurde in der Zwischenzeit ein Runder Tisch eingerichtet, bei dem auch das Elternzentrum Berlin vertreten ist. Obwohl der Bedarf an Schulbegleitung gestiegen ist, hat der Berliner Senat das Budget massiv gekürzt. Der Verstössebericht des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen zeigt diese unhaltbare Situation deutlich auf.
Klar ist, dass sich die missliche Lage nicht bessern wird, solange nicht dem Bedarf entsprechende und flexible Haushaltsmittel für die Schulhelferversorgung zur Verfügung gestellt werden.
Den akuten finanziellen Engpässen in der Schulhelferversorgung liegt allerdings ein tieferes, strukturelles Problem zu Grunde: Kaum ein pädagogisches Studium beinhaltet die spezifische Förderung autistischer Kinder und den spezifischen Umgang mit ihnen. Hier füllen die Schulhelfer nicht selten eine Lücke. Die Einbindung in ein neurotypisches Umfeld kann für Autisten an allen Lernorten zusätzliche Hilfe erfordern. Zu dieser gehört ein maximales Maß an Verlässlichkeit, Kontinuität und Vertrauen, um die Defizite des Lernorts zu kompensieren (solange der Senat nicht genügend Schulplätze schafft, die den Bedürfnissen von Autisten entsprechen). Diese Helfer nun abzuschaffen oder ihre Stunden massiv zu kürzen, ist ein falscher und zudem voreiliger Schritt. Auch ein problembehaftetes System kann und darf man nicht streichen, bevor eine funktionierende Alternative etabliert ist, sonst sind ausgerechnet die betroffenen Kinder die Leidtragenden – wie es aktuell in Berlin der Fall ist. Insofern ist das kurzfristige Ziel des Elternzentrums Berlin die Aufhebung der Kürzungen in der Schulbegleitung, das langfristige Ziel eine strukturell verankerte, gute autismusspezifische Förderung.

Die vor einem Jahr in Kraft getretene UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen bietet hierfür Argumente: sie formuliert klar das Ziel der Inklusion, und ohne Eingehen auf die spezifischen Bedürfnisse der Autisten ist Teilhabe und Inklusion nicht möglich. Für unsere diesbezügliche Selbsthilfe-Arbeit haben wir im vergangenen Jahr unter anderem zwei Konferenzen des Bundesministeriums für Arbeit und der Bundesbeauftragten für die Rechte von Menschen mit Behinderungen besucht und uns an zahlreichen weiteren Veranstaltungen aktiv beteiligt.

Im vergangenen Jahr haben wir uns auch der Landesvereinigung Selbsthilfe angeschlossen. Unseren Beitrag zu leisten bei der Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen wird uns sicher besser gelingen, wenn wir gemeinsam an der Verbesserung der Bedingungen für Menschen mit Behinderung arbeiten und mit anderen Vereinen und Organisationen gut vernetzt sind.

Wir haben unsere Vereinsarbeit im vergangenen Jahr auf verschiedenen Ebenen auf den Weg gebracht, Weltautismustag 2010 heißt für uns, dass wir gut vorbereitet an die weitere Arbeit gehen: die Eltern-Themen-Cafés sind für den Rest des Jahres geplant, unsere Einzelberatung bewährt sich, die Arbeit an einer besseren Beschulungssituation geht weiter und auch zu den Themen Wohnen und Arbeiten entwickeln wir gerade neue Ideen, um nur einige unserer Betätigungsfelder zu nennen.
Die UN-Konvention wird unser Wirken sicher auf allen Ebenen prägen. Dass hier noch ein weiter Weg vor unserer Gesellschaft liegt, und genau deshalb haben wir – die Eltern von autistischen Kindern – das Elternzentrum Berlin e.V. gegründet, um unseren persönlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation von autistischen Menschen zu leisten. Bei dieser ehrenamtlichen Arbeit ist uns jede Unterstützung willkommen, Sie sind daher herzlich eingeladen, uns näher kennenzulernen und Mitglied in unserem Verein zu werden. Besuchen Sie uns doch mal unter: http://elternzentrum-berlin.de.

Unser Text zum Welt-Autismus-Tag 2009

 

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