Brief und Vorschlag an Bildungssenatorin Scheeres

Frau Senatorin
Sandra Scheeres
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft
Bernhard-Weiß-Str. 6
D-10178 Berlin-Mitte

Berlin, den 26. April 2012

Betr.: Trägerwechsel Schulbegleiter Tandem SH -> Autismus Deutschland für Schüler mit Förderbedarf Autismus in allen Schulformen

 

Sehr geehrte Frau Senatorin Scheeres,

das Elternzentrum Berlin e.V. – Autismus und andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen geht von Ihrer Kenntnis zu den aktuell Ihrem Hause zugegangenen Stellungnahmen und Ausführungen der verschiedenen Verbände zum Entwurf Gesamtkonzept Inklusive Schule in Berlin aus.
Wir verweisen hier insbesondere auf die Ausführungen des Elternzentrum Berlin e.V. und auch auf die Stellungnahme des LV Berlin Autismus Deutschland.

In Ihrem Hause sollten so auch die besonderen Problemlagen der sozialen und zwischenmenschlichen Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen mit Autismus nachvollziehbar geworden sein.

Umso unverständlicher sind uns Eltern, dem Betriebsrat sowie Geschäftsführung der Tandem SH und des Trägers Autismus Deutschland – übereinstimmend festgestellt im Rahmen eines gemeinsamen Treffens am 21.03.2012 – die aktuellen Pläne Ihrer Verwaltung, eine Übergangslose Verlagerung der Betreuung unserer Kinder mit ihren vertrauten Schulbegleitern umzusetzen.

Wir ersuchen Sie dringend zum Wohle der betroffenen Schüler/innen und Ihrer Schulbegleiter der Tandem SH den gemeinsam erarbeiten Vorschlägen zuzustimmen, den Übergang langsam und umsichtig zu gestalten.

Wir schließen uns deutlich und bestimmt folgender Ihnen bekannter Erklärung des TandemSH Betriebsrates an:

Vorhaben der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, die Betreuung von Schülerinnen und Schüler mit Förderschwerpunkt „Autismus“ mit Beginn des Schuljahres 2012/13 durch Schulhelfer/innen des Vereins „Autismus Deutschland“ betreuen zu lassen

Nach einem gemeinsamen Termin des Betriebsrates, der Schulhelferinnen und Schulhelfer und der Geschäftsleitung der TandemSH mit dem Geschäftsführer von Autismus Deutschland gibt der Betriebsrat von TandemSH folgende Erklärung ab:

Der Betriebsrat lehnt im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Vorhaben in dieser Form grundsätzlich ab. Die übergangslose Verlagerung der Betreuung lässt außer Acht, dass Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt „Autismus“ in besonderer Weise auf kontinuierliche Bezugspersonen angewiesen sind und der Aufbau von Vertrauen in der Beziehung zu ihnen extrem schwierig ist.

Wir schlagen deshalb vor:

Schulhelfer/innen die bei TandemSH arbeiten und hierbei Schüler/innen mit Förderschwerpunkt „Autismus“ betreuen, verbleiben ausnahmslos bei TandemSH und betreuen die Schüler/innen weiterhin. Bei Wechsel des Schulhelfers/der Schulhelferin, egal aus welchem Grund (z.B. Kündigung des Vertrages durch den Schulhelfer, die Schulhelferin, Schulwechsel des Kindes (wenn er ohnehin mit einem Wechsel der Betreuung verbunden ist) geht die Betreuung der betreffenden Kinder an „Autismus Deutschland“ über.

Neueinschulungen bzw. Neuanträge für Schüler/innen mit dem Förderbedarf Autismus werden zukünftig von Beginn an durch „Autismus Deutschland“ umgesetzt.

Für den Betriebsrat
Thomas Zadow
stellv. Vorsitzender

 

Wir wiederholen aus unserer, Ihnen bekannten Stellungnahme zum Gesamtkonzept Inklusive Schule vom 03.04.2012:
„Erschwerend kommt hinzu, dass der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses oft sehr langwierig ist.“

Wir können Beweggründe für Ihr Vorhaben nachvollziehen und bitten Sie um eine behutsame Umsetzung Ihrer Pläne im Sinne unserer Kinder, und dies unter Betrachtung der bekannten und mitgeteilten Problemlagen, teilweise großen Schwierigkeiten im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich der Schüler mit Förderbedarf Autismus.

Über eine zeitnahe Antwort und eine bedachte und unkomplizierte Lösung freuen wir uns für die Schüler mit Förderbedarf Autismus einschließlich unserer Kinder.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen,
im Auftrag
Stephanie Loos.

 

Download des Schreibens (PDF, 78KB)

 

Ein Gedanke zu „Brief und Vorschlag an Bildungssenatorin Scheeres

  1. admin_st

    Am 30.04.2012 fand ein Gespräch zu dieser Problemlage in der Senatsverwaltung für Bildung statt.
    Die Hintergründe und Folgen eines übergangslosen Abzugs der SchulbegleiterInnen aus gewachsenen Vertrauensverhältnissen zu Schülern und Schülerinnen im Autismusspektrum wurden nocheinmal dargelegt. Staatssekretär Mark Rackles schien die spezifische Problematik verstanden zu haben.
    Der Vorschlag der Träger und des Elternzentrum Berlin e.V. wie im Schreiben an Senatorin Scheeres formuliert, wurde angenommen. Es erfolgte eine mündliche Zusage des Staatssekretär M. Rackles, der Übergang könne entsprechend der Vorschläge gestaltet werden.

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